Denkfehler Nr. 1: Die 40-Stunden-Woche ist verkaufbar
Ein Geselle hat rund 220 Arbeitstage im Jahr — nach Urlaub, Krankheit und Feiertagen. Davon gehen Fahrzeiten, Materialbesorgung, Baustelleneinrichtung und Leerlauf ab. Realistisch verkaufbar sind oft nur 60–75 % der Anwesenheitszeit. Wer mit 100 % kalkuliert, verschenkt bei jeder Stunde Geld.
Die Rechnung in 4 Schritten
1. Was kostet die Arbeitsstunde wirklich?
Zum Bruttolohn kommen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Umlagen, Berufsgenossenschaft und bezahlte Ausfallzeiten (Urlaub, Krankheit, Feiertage). Faustregel: Auf den Stundenlohn kommen 80–100 % Lohnnebenkosten und Ausfallzeiten obendrauf. Aus 22 € Stundenlohn werden so schnell 40–44 € echte Kosten pro produktiver Stunde.
2. Gemeinkosten umlegen
Werkstatt, Fahrzeuge, Versicherungen, Werkzeug, Software, Büro, Steuerberater, Werbung — alles, was nicht direkt auf der Baustelle verdient wird, muss auf die produktiven Stunden umgelegt werden. Bei kleinen Betrieben sind das häufig 15–25 € je Stunde.
3. Unternehmerlohn nicht vergessen
Wenn du selbst mitarbeitest: Dein eigener Lohn ist eine Kostenposition, kein Gewinn. Wer sich selbst mit 0 € kalkuliert, subventioniert seine Kunden.
4. Gewinn und Risiko aufschlagen
5–15 % Aufschlag für Gewinn, Wagnis und Investitionen. Ohne Gewinn kein Puffer für die kaputte Maschine, den Zahlungsausfall oder das neue Fahrzeug.
Beispielrechnung (Geselle, vereinfacht)
| Position | Betrag/Std. |
|---|---|
| Stundenlohn (brutto) | 22,00 € |
| + Lohnnebenkosten & Ausfallzeiten (~90 %) | 19,80 € |
| = Kosten je produktiver Stunde | 41,80 € |
| + Gemeinkosten-Umlage | 18,00 € |
| + Gewinn & Wagnis (10 %) | 5,98 € |
| = Nötiger Netto-Stundensatz | ≈ 66 € |
Heißt im Klartext: Wer diesen Gesellen für 55 € netto verkauft, zahlt bei jeder Stunde rund 11 € drauf — bei 1.400 verkauften Stunden im Jahr über 15.000 € Verlust, die im Alltag niemandem auffallen.
Nachkalkulation: Die Wahrheit steht hinterher fest
Die beste Kalkulation nützt nichts, wenn niemand nachrechnet. Vergleiche pro Auftrag: kalkulierte gegen tatsächliche Stunden, Material, Anfahrten. Erst die Nachkalkulation zeigt, welche Auftragsarten sich lohnen — und welche Kunden du besser dem Wettbewerb überlässt.
Meister, Geselle, Azubi: nicht jeder kostet gleich
Ein häufiger Fehler ist ein einziger Mischsatz für den ganzen Betrieb. Wer den Meister zum Gesellensatz verkauft, verschenkt Marge; wer den Azubi zum Meistersatz anbietet, verliert Aufträge. Rechne pro Qualifikation und weise im Angebot getrennte Sätze aus — das wirkt außerdem transparenter beim Kunden.
| Qualifikation | Realistischer Netto-Satz | Warum |
|---|---|---|
| Azubi (3. Jahr) | 35–45 € | geringere Produktivität, Aufsicht nötig |
| Geselle | 60–75 € | siehe Beispielrechnung oben |
| Meister / Vorarbeiter | 80–100 € | höherer Lohn, Verantwortung, Planung |
Wie oft solltest du neu kalkulieren?
Mindestens einmal im Jahr — und immer dann, wenn Tariflöhne, Material- oder Energiepreise deutlich springen. Wer seinen Satz zwei Jahre nicht angefasst hat, arbeitet fast sicher unter Wert: Allein die Lohnsteigerungen der letzten Jahre fressen jeden Puffer. Ein guter Auslöser ist die Nachkalkulation — sobald mehrere Aufträge einer Art rote Zahlen zeigen, ist der Satz zu niedrig oder die Zeit falsch geschätzt.
Kostenloser Rechner: Rechne deinen Satz in zwei Minuten selbst durch — mit unserem Stundensatz-Rechner (ohne Anmeldung). Passende Beispielwerte gibt es auf den Branchenseiten für Maler, SHK und Elektro.
Automatisch statt Excel
In handwerkstool laufen Zeiterfassung, Materialkosten und Lohnkosten (inklusive exakter Arbeitgeber-Anteile zur Sozialversicherung) automatisch am Auftrag zusammen. Die Nachkalkulation pro Auftrag zeigt dir schwarz auf weiß, was hängen geblieben ist — und die KI-Preistipps warnen, wenn deine Sätze unter deinen echten Kosten liegen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist ein realistischer Stundensatz im Handwerk?
Für einen Gesellen liegt der kostendeckende Netto-Stundensatz je nach Region und Gemeinkosten meist zwischen 60 und 75 €. Entscheidend sind nicht Vergleichswerte, sondern deine eigenen Lohnnebenkosten, deine produktiven Stunden und deine Gemeinkosten. Rechne mit dem Rechner deinen echten Wert aus.
Wie viele Stunden im Jahr kann ich wirklich verkaufen?
Ein Vollzeit-Mitarbeiter ist rund 1.600 Stunden im Jahr anwesend (nach Urlaub, Krankheit, Feiertagen). Davon sind meist nur 60–75 % produktiv verkaufbar — also etwa 1.100 bis 1.400 Stunden. Auf diese Stunden müssen sich alle Kosten verteilen.
Muss ich meinen eigenen Lohn als Unternehmer einrechnen?
Ja. Wenn du selbst mitarbeitest, ist dein Lohn eine Kostenposition, kein Gewinn. Kalkulierst du dich mit 0 €, subventionierst du deine Kunden und der ausgewiesene Gewinn ist eine Illusion.
Wie oft sollte ich den Stundensatz anpassen?
Mindestens einmal jährlich und immer bei deutlichen Lohn-, Material- oder Energiepreissprüngen. Ein zwei Jahre alter Satz liegt fast immer unter den aktuellen Kosten.